Schon mehrfach und zuletzt Mitte Juli habe ich für die Bergschule Oberallgäu die Tourenwoche in der stillen Silvretta geführt. Eine Woche mit viel Zeit für sich und die Berge! Die Höhepunkte in Kurzform ( für mehr Infos einfach buchen und mitgehen;) ) :

Zustieg von Ischgl in Tirol: vier Stunden, und das zunehmend einsame Fimbertal ist erst zur Hälfte geschafft! Gute Nachricht: es gibt zur Belohnung Abendessen auf der Heidelberger Hütte.

Heidelberger Hütte (2264m): Tiroler Charme auf Schweizer Boden ;), ein engagiertes, herzliches Hüttenteam zaubert leckeres Essen auf den Tisch, fern von aller langweiligen Hausmannskost! Hüttenwirt Alois und seine Mädels sind einfach immer gut drauf und für uns da : 5 Sterne!

Tagestour auf den Davo Lais (3027m) : Durch das Fimbertal aufwärts an der Aua Naira (rätoromanisch: Schwarzes Wasser) vorbei und über den Fluss. Bei der letzten Tour unvergesslich durch wildes Wasser, man merkt, daß man hier fernab vom Massentourismus Berge erobert! Nach einer im Juli noch schneegefüllten, breiten Rinne mit Blockwerk aus Bündner Schiefern zur Fuorcla Davo Dieu. Auf der anderen Seite ein herrlicher eisiger Bergsee! Noch knapp 200hm ohne Wegmarkierungen über Polster und gerölligen Schotter auf den aussichtsreichen Gipfel. Herrliche Rundumsicht! Silvrettagipfel ganz nah, Heidelberger Hütte ganz weit weg…

Tagestour zu Piz Val Gronda und Fimberpass:

Der mittlerweile mit Winter-Seilbahn erschlossene Gipfel Piz Val Gronda ist über gute Wanderwege und zum Schluß weglos zu erreichen und im Sommer ganz einsam. Auf dem Weg begegnet man mit Glück den Viehhirten mit ihren aufmerksamen Hütehunden, die hier auf 880 Stück Weidevieh aufpassen. Davon sind die ca 250 Schweizer Kühe von den Tirolern durch andersfarbige Marken unterscheidbar. Die Jungtiere sind schüchtern und wenig Wanderer gewohnt.Der Fimberpass ist ein klassischer Streckenpunkt der Transalp, die per Mountainbike durchgeführt wird. Von hier hat man den schönsten Blick frontal auf das berühmte Fluchthorn (3399m), den zweithöchsten Silvrettagipfel nach dem Piz Buin. Gleichzeitig Grenzgipfel zwischen Schweiz und Tirol.

Ritzenjoch und Laraintal:

Wunderschöne Blumenvielfalt auf dem Weg zum Ritzenjoch, wie so oft im grünen Teil des Fimbertales. Ein Adlerpaar hat in der Nähe seinen Horst. Man sieht sie häufig. Nach Norden geht es über gebrochene Schieferplatten wie über Scherben in das ursprüngliche Laraintal. Wallende Nebel lassen mystische Stimmung aufkommen. Sehr wild und abweisend wirkt die Landschaft inmitten steiler Bergflanken, aus denen silberne Bäche quellen, genährt von den letzten Schneefeldern.Die alte Zollhütte ist nun privatisierte Jagdunterkunft. Hier war früher ein Grenzposten. Zum Ende des Tales wieder Kühe und die Larainalm mit eigener Käseherstellung und selbstgemachtem Kuchen.Diese Strecke ist eine gute Möglichkeit, falls das Kronenjoch unpassierbar ist, nach Galtür und durch das Jamtal zur Jamtalhütte zu gelangen. Man muss aber Ausdauer mitbringen, denn die Tour ist über den Verbindungspanoramaweg 27km lang und beinhaltet 1000hm sowohl bergab als auch bergauf. Alternativ kann man ab Galtür mit Taxi zur Hütte fahren.

Kronenjoch und Breite Krone:

Die Königsetappe von der Heidelberger Hütte über das Kronenjoch am Talschluss des Fimbertales zur Jamtalhütte. Im Juli noch große Schneefelder auf dem Weg zum Joch. Letztes Jahr im August nach einigen niederschlagsfreien und sehr heißen Wochen war kein Schnee mehr auf dem ehemaligen Kronenferner.Mit wenigen Minuten zusätzlich hat man vom Gipfel der Breiten Krone (3079m) einen super Ausblick zum Piz Buin und in die Bernina. Wer es sich zutraut, schafft sicher noch den Grenzeckkopf. Vom Joch geht es ebenfalls über Schneefelder oder trocken in vielen Serpentinen hinab Richtung Finanzerstein, einem ehemaligen Zollposten, der praktisch in einen Felsen hineingebaut wurde. Ab hier über Blumenfelder und an wahrlich rauschenden Gletscherwassern zur Jamtalhütte. Ausblicke auf die Gletscherwelt der Silvretta.

Jamtalhütte (2165m): Alpines Ausbildungszentrum, hochmodern, nach größerem Lawinenschaden 1999 lawinensicher umgebaut. Perfekt organisiert steuert Familie Lorenz die Hütte. Auch hier außergewöhnlich gute Verköstigung. Der Riesenlaib Bergkäse am Frühstücksbüffet ist schon was Besonderes!

Westliches Gamshorn und Russkopf als gletscherfreie Touren:

Knapp unter 3000m lohnt sich ein Aufstieg zum Gamshorn,wo sich gerne Gämsen zeigen. Beim letzten Besuch zeigte sich nur der reichlich Neuschnee und das Horn verschwand im Nebel.Auch der Russkopf schindet Eindruck mit seiner Position direkt vor dem Jamtalferner. Ein Gang zur Gletscherstirn ist sehr eindrucksvoll.

Die Möglichkeiten um die beschriebenen Hütten sind sehr vielseitig und aus eigener Erfahrung mit meinen Gästen kann ich sagen: es lässt sich bei jedem Wetter was machen. Auf das Was und Wie kommt es halt an. Die einsame ungewöhnliche Landschaft begeistert, läßt Raum zum Atmen und Freiwerden! Die Natur ist ganz nah, die Details springen auf einmal ins Auge. Einer der schönsten Momente war, als wir letzte Woche bei sehr viel Neuschnee am Finanzerstein waren und der Adler vor den Felswänden flog und sein unverwechselbarer Schrei durch die Lüfte hallte. Außer uns war niemand dort bei den Verhältnissen. Ein Geschenk für den, der sich auf den Weg macht…

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