Älplermagronen mit Speck und Käse, das klingt nicht nur lecker, das ist es auch. Ein herzhaftes Graubündner Gericht, welches mit einer Weißweinschorle einen traumhaften Tourentag abrundet.Gegessen im Hotel Rhätia, St.Antönien, Schweiz! Wie kommt man dahin? Am besten und schönsten wohl zu Fuss auf dem Walserweg.

Von vorne: In einigen Wochen führe ich für die Bergschule Oberallgäu in Burgberg den Walserweg von Baad im Kleinwalsertal nach Gargellen in Tirol.Und da ich diese Woche unerwartet ein kleines Zeitfenster von 4 Tagen hatte, passte es wunderbar, sich im Rätikon noch einmal umzuschauen. Geplant war die Strecke Tschagguns-Tilisunahütte- St. Antönien- Schlappin- Gargellen.

Tag 1 Tschaggunser Mittagspitze und Tilisunahütte

Morgens regnet es noch in den Bergen. In Memmingen jedoch scheint verheissungsvoll die Sonne und ich mache mich entspannt auf den Weg über Bregenz nach Tschagguns in Vorarlberg. In dieser Ecke kann man tolle Bergtouren unternehmen, Sulzfluh, 3 Türme, Drusefluh, Schesaplana und Zimba! Einen dieser erstrebenswerten Gipfel genehmige ich mir dann auch. In Latschau kann ich gut mein Auto auf dem Parkplatz oberhalb vom Kraftwerk abstellen, in der Nähe der Golmer Bahn. Dankenswerterweise kostenlos! Bergstiefel an, Rucksack angehoben und weg! Direkt ab Parkplatz geht’s auffi nach Grabs. Nach kurzer Zeit erreiche ich eine Hütte, ab da führt der Weg durch eine beeindruckende hüfthohe Blumen-und Kräuterwiese. Leider hatte es morgens geregnet und meine leichte Wanderhose war bald schön nass! Hmh, unangenehm, aber bis ich am Gasthof Grabs auf 1365m ankomme, ist sie fast schon wieder trocken durch den leichten Wind.

Am Gasthof rege Bauarbeiten, am besten gleich weiter auf der Alpweide, einer ehemaligen Skipiste. Den Lift gibt es aber seit über 8 Jahren nicht mehr. Nach einer halben Stunde Aufstieg erreicht man ein Wegschild mit der Flurbezeichnung „Hochegga“ . Hier muss man sich entscheiden, ob man in 3 ¼ Stunden lieber über den Mittagspitzgrat der Tschaggunser Mittagspitze (alpin, blau-weiss markiert) geht oder den leichteren Wanderweg entlang der Alpilaalpe ( rot-weiss markiert) vorzieht. Da das Wetter zunehmend besser wurde, wähle ich ersteres. Über einen bewaldeten Rücken zieht ein schöner Pfad bergauf, der bald in Alpenrosengelände übergeht. Ein Traum, alles in Blüte! Nach 20 Minuten erste Ausblicke auf Tschagguns und das gegenüberliegende Bergmassiv Hochjoch! Unten kann man den Stausee erkennen. Dort steht mein Auto. Über mir der felsige Gipfel mit Kreuz und sich auflösende , noch graue Wolken. Erste Sonnenstrahlen blitzen durch. Eine schöne Stimmung. Weiter auf dem Pfad über Latschenwurzeln in ein kleines Kar. Nach einer Querung geht es in kleinen Spitzkehren auf einen Sattel. Man musste hier am Hang das lehmige Gelände mit Holzbalken stabilisieren. Am Sattel auf immerhin 2100m schon herrliche Aussicht. Ein Wegweiser verweist auf den unmarkierten Anstieg auf die Mittagspitze und den Weiterweg zum Schwarzhornsattel Richtung Tilisunahütte. Klatsch! Mein Handy liegt mit de Gesicht nach unten auf den Steinen! Gut, daß mich hier keiner beobachtet! Oh nein, ein Sprung im Display! Aber es funktioniert noch! Warum muss man auch mit 2 Fingerspitzen ein leicht angefeuchtetes Telefon aus der Tasche ziehen. Ich wollte eigentlich nur alternativ zum guten alten Fotoapparat damit ein Foto zu Vergleichszwecken machen. Grr! Egal, jetzt geht es erst mal auf den Gipfel! Es sind nur ca 70 hm durch eine felsige Rinne, mit UIAA I bewertet, unmarkiert, was für Individualisten, aber leicht. Das Gipfelkreuz habe ich erwartungsgemäß für mich alleine. Oh, wie schön ist dieser Ausblick! Zu Füssen Tschagguns und Schruns, in der Ferne die 3 Türme und die Drusenfluh, noch ziemlich umwölkt. Und es liegt noch jede Menge Schnee in den Nordseiten! Links vom Schwarzhorn kann ich die Tilisunahütte ausmachen! Vor mir der breite, grasige, in schillernden Grüntönen hinziehende Mittagspitzgrat über das Walser Alpjoch. Da bekommt man direkt Lust, weiterzulaufen! Gesagt, getan, und nach einer Stunde intensiven Schauens und Fotografierens lange ich am Schwarzhornsattel an.

Diese Wegstrecke war wirklich ein Highlight! Unter mir rechts kann ich schon gut den Weg von der Alpilaalpe sehen, und die spiegelnde Oberfläche des kleine Tobelsees. Hier am Sattel treffen beide Wege zusammen und es ging leicht abwärts unter dem etwas düsteren Schwarzhorn entlang bis zu nassen Wiesen, wo gerade erst der Schnee abgeschmolzen war. Der Tilisunasee ist gleich erreicht, ein in diesem Moment tiefblaues Juwel unter dem Tilisuna Seehorn. Den Anblick geniesse ich in aller Stille. Niemand hier, außer mir, und das schon seit Grabs.Es ist Montagspätnachmittag und ich bin glücklich, hier zu sein. Bevor ich die nahe Hütte betrete, schaue ich mich noch erst etwas um und halte die immer sonnigere Stimmung in Fotos fest.

Die Tilisunahütte  auf 2208m ist seit 25 Jahren in privater Hand von Hedwig und Helmut Fitsch. Hedwig gibt mir ein Matratzenlager für mich alleine. Die neuen Panoramafenster geben den Ausblick auf die Widescreenlandschaften vor der Hütte frei. Ein Traum! Außer mir nur eine Handvoll weitere Gäste. Mein Spaghetti-Bolognese-Abendessen ist nun genau das Richtige für mich. Mit Helmut unterhalte ich mich noch eine Weile und rutsche dann zu früher Stunde gemütlich in meinen Hüttenschlafsack unter dem Panoramafenster. „Leider“ schlafe ich sofort ein…

Tag 2 Sulzfluh und St. Antönien

Der Morgen grüßt mit strahlendem Wetter und leichter Kühle. Nachdem ich mich von der lieben Hedwig verabschiedet habe, geht es gleich zum nahen Tilisunafürggli, hier ist die Grenze zur Schweiz. Nun erst mal bergab zwischen den Wänden der mächtigen Weissplatte zur Linken und der Sulzfluh zur Rechten. Der Weg führt durch karstiges Kalkgelände mit vielen Blumen. Weiter unten sieht man den Partnunsee. An der Abzweigung zum Gemschtobel hat man die Möglichkeit, entweder über den Klettersteig Kat. C/D oder über den leichteren Gemschtobel die Sulzfluh zu besteigen. Eigentlich kann man von der Tilisunahütte kürzer von Norden auf den Gipfel, aber ich wollte gerne die Strecke über das Fürggli gehen. Der südseitige Gemschtobel lädt zum Auftakt über eine kleine drahtseilgesicherte felsige Stufe ein. Danach führt ein Bergsteig 700hm ohne Probleme rauf zum Gipfel. In dieser Woche sind da noch große Schneefelder, allesamt gut begehbar. Auf dem Gipfel Traumaussicht bei dem Wetter. Ein Schweizer berichtet stolz, daß er es nach längerer Krankheitspause noch noch einmal auf den Gipfel geschafft hat. Große Berge wecken große Gefühle. Bei dem tollen Wetter sind nur eine Handvoll Leute unterwegs. Am Wochenende wäre es hier schon fast zu voll…Durch das Fernglas kann ich viele große Gipfel etwas näher studieren. Die To-Do-Liste wird immer länger 😉 !

Selbigen Weg nach einer Stunde wieder runter, kurzweilig durch Surfen auf den Schneefeldern. Ein herrliches Panorama. Da, wo es wieder grün wird einfach mal im Gelände sitzen und schauen. Entspannung pur!

Der Weg zur Carschinhütte führte immer nach Westen über welliges Wiesengelände unterhalb der Geröllhalden der Sulzfluh. Es fällt schwer, nicht alle paar Meter anzuhalten und zu fotografieren. Die Schweizer Hütte überrascht mit günstigen Preisen. Ein Kaffee im Glas ist angebracht! Fantastischer Nahblick auf die Drusenfluh und die Drei Türme! Nach St. Antönien gibt es nun einen Richtungswechsel nach Süden.Unterhalb des Schafberges zieht der Weg dahin, am verlassenen Carschinasee vorbei, an dem man herrlich träumen kann. Bänke laden zum Verweilen ein. Ich setze mich auch und nehme mir die Zeit, das Bild in mich aufzunehmen. Die Berge gegenüber beeindrucken mit Felsflanken und schneebedeckten Gipfelketten dahinter. Das felsige Rätschenhorn, welches am nächsten Tag umgangen wird, ist sehr präsent.

Durch Alpweiden bergab erreicht man nach 2 Std. St. Antönien. Das alte Walserdorf wird durch die größten Lawinenverbauungen der Schweiz geschützt. Im Hotel Rhätia hatte ich mich angemeldet, werde nun bestens umsorgt von Regula und Hubert. Die Kräuterwiesen leuchten in der spätnachmittäglichen Sonne und bilden einen schönen Kontrast zu den alten,dunklen Hölzern der Häuser. Als Abendessen wähle ich die eingangs erwähnten Älplermagronen, bestehend aus Nudeln und Kartoffeln, mit einer cremigen Käse-Rahmsauce und Speck, einfach köstlich. Ein kleiner Abendspaziergang durch das Dorf komplettiert das Tagesprogramm.

Tag 3 Prättigauer Höhenweg und Schlappin

Anderntags schmiere ich mich mit der 30er Sonnencreme ein. Ein heißer Tag steht bevor. Regula erzählt mir beim Frühstück noch einiges über St. Antönien. Zum Start geht es über Alpsträßle durch Weidegebiete 800hm bergauf zur Aschariner Alp und gleich weiter zum Fürggli, dem Übergang ins Prättigau.Die Aussicht will verdient werden! Vom Fürggli sind es nur ein paar Höhenmeter hinauf auf das Jäggischhorn, von dem man auf 2290m eine tolle Rundumsicht hat.

Der Weg führt dann durch blumenbeladene Kräuterwiesen (absolut empfehlenswert im Frühsommer) über die Siedlung Zastia ganz lieblich durch viele Alpenrosen und Latschenkiefern Richtung Madrisabahn. Stop! Bevor man in das rührige Bahngelände kommt, legt man am besten eine Pause ein unterhalb der Mässplatte, einem Aussichtspunkt auf ca 2100m. Direkt am Weg sind tolle Ruhebänke und Energiesteine zum Darauflegen. Viele neugierige Schweizer Kühe freuen sich über meinen Besuch, erstaunlicherweise gar nichts los bei dem Kaiserwetter! Eine kleine Gruppe, die die Lawinenverbauungen anschaut, sehe ich aus der Ferne, sonst bin ich allein mit mir. Später erfahre ich, warum: die Madrisabahn hat wegen Bauarbeiten zwei Tage geschlossen!

Das Bahngelände lasse ich rechts liegen und wandere weiter bis zum Zügenhüttli, einer kleinen Hütte am letzten kleinen Schlepplift. Man sieht schon die große Einsamkeit der angrenzenden Berge. Unten Richtung Westen verabschiedete sich Klosters im Tal, wenn ich nach Südosten schaute, sehe ich nur unnahbare Berge. Da ist der Grenzkamm Österreich/Schweiz, aber auch die Grenze Rätikon/ Silvretta. Große schneebedeckte Berge stellen sich als Piz Buin und Großlitzner und Seehorn heraus. Auch das Gestein verändert sich. Auf dem Weg nehme ich schon das kristalline Urgestein aus Gneisen und Schiefern und die dunkleren Farben wahr. Zur Silvretta hin wird es noch extremer, karger. Nach einer längeren Gedankenpause ziehe ich weiter ostwärts, bis es recht bald nach Schlappin hinuntergeht, ins Berghaus Erika. Ich wandere durch romantischen Wald mit sprudelndem Bach, eine Wohltat! Kurz vor dem Tal dann der Ausblick nach Schlappin! Das ist ein Paradies!In dem flachen leuchtend grünen Hochtal mit See,umringt von rauen Bergen, liegt das uralte Walsermaisäss Schlappin. Man sieht und spürt gleich die Kraft dieses Ortes. Es gibt keine störenden Neubauten, keine Antennen, es liegt so gottverlassen da, aber wunderschön! Ich stehe direkt über dem Berghaus Erika. In der nächsten Minute bin ich unten und werde von Inhaberin und liebenswerter Gastgeberin Barbara begrüßt. Vor dem Haus sitzen ein paar Einheimische. Auf den Tischen stehen große Ferngläser für genüssliches Schauen in die Landschaft.

Ich bekomme ein sehr schönes Zimmer, mit Aussicht auf die Berge und die alten Häuser. Es ist alles so geschmackvoll, unaufdringlich, liebevoll hergerichtet. Barbara und ihr Mann Michael wohnen das ganze Jahr hier. Barbara erzählt mir, daß sie die ganze Wintersaison hier oben bleibt, vorher nochmals zum Friseur geht und dann nur für die Gäste da ist. Außer den beiden gibt es noch das Gasthaus Gemsli, sonst wohnt niemand ganzjährig hier. Das Maisäss ist nur in dieser Jahreszeit bestossen. Die alten Häuser sind nicht isoliert und ganz wie in den alten Zeiten. Draußen vor dem Erika bewachen zwei Bordercollies die sechs Schweine von den beiden. Ein goldiges Bild! Die dürfen es sich hier richtig gut gehen lassen! Michael bereitet mir hervorragendes Rösti mit Eiern zu, ganz knusprig und superlecker. Das Einfache ist mir das Liebste! Im übrigen bin ich der einzige Übernachtungsgast!

Später in meinem Bett liegend, schaue ich auf die grünen Berge und in den dämmerigen Himmel, ist das schön!

Tag 4 Schlappiner Joch und Gargellen

Am nächsten Morgen regnet es. Erst leicht, beim Frühstück dann ziemlich stark. Es war keine Überraschung, der Wetterbericht scheint richtig. Ich ziehe mir vorsichtshalber die Regenhose an, fotografiere die sehenswerten Häuser , dann bricht doch die Sonne hervor und vertreibt die Regenwolken. Ich ziehe das Zeug wieder aus und stattdessen meinen leichten Wanderrock an. In Nullkommanichts wird es richtig heiß. Der Weg auf das Schlappiner Joch total derangiert. Die Erde aufgerissen, Latschenwurzeln und ganze Büsche, über die ich drübersteigen muss. Lauter kleine Insekten fliegen daraus hervor, das macht den Aufstieg nicht angenehmer. Da muß ich doch mal laut vor mich hin fluchen. Bin ja eh wieder ganz allein hier! Ziemlich weit oben steht dann der Schreitbagger, der hier ausputzt. Da muß ich drumherumkrabbeln, aber danach kann man wieder gescheit laufen. Am Wasserfall das letzte Bild von der Schweiz. Dann geht es flacher auf das Schlappiner Joch und wieder nach Österreich. Links steht ganz wuchtig das Madrisahorn. Steil geht es bergab zur Valzifenzalpe. Ab hier Fahrstrasse bis nach Gargellen. Ab der unteren Valzifenzalpe kann man nach links auf einen Wanderweg ausweichen.

Auf 1420m liegt Gargellen, mit vielen Angeboten von Bergbahnen, Klettersteigen und dem Schmugglersteig. Trotzdem ist es noch verhältnismäßig ruhig. Bei einem Apfelstrudel lasse ich das Ganze mal sacken und schaue nach der Busverbindung nach Tschagguns. Die klappt auch reibungslos. Ich bin erstaunt, wie schnell man wieder von der Einsamkeit der Silvrettaberge in das belebte Montafon wechselt. Zwei so unterschiedliche Landschaften so dicht beeinander. An meinem Auto war es wieder da , das Gefühl: Man kommt zurück, hat was erlebt, ist anders als beim Losgehen. Es hat sich was verändert, irgendwie.

Schön wars, und ich freue mich, den Weg wieder bald zu gehen, mit meiner Gruppe von der Bergschule.

Durch ein ordentliches Gewitter fahre ich dann heim nach Memmingen, das ist gar nicht so weit weg…

Links:

http://www.tilisunahuette.at/

http://www.hotel-rhaetia.ch/php/home.php

http://www.schlappin.ch/index.php/de/

Falls Dir der Artikel gefallen hat, interessiert Dich das vielleicht auch:

Silvretta – Wanderwoche : Rauhe Berge, wilde Wasser, Gletscher und Adler

Westliches Gamshorn

Lechtal: Abendtour auf das Bernhardseck

auf der Mutte


Hallo, ich bin Sabine Manteuffel. Meine Lieblingsbeschäftigung sind Berge! Gehe gern bergsteigen, wandern, klettern und Skitouren. Touren führe ich für den DAV Allgäu-Immenstadt und als Bergwanderführerin für eine Bergschule im Allgäu. Hauptberuflich bin ich selbständig mit meinem Label „Wildfräulein“, Entwurf und Handanfertigung von fescher, junger Outdoorbekleidung aus Loden: www.wildfraeulein.de. Lesen, Schreiben und Fotografieren liebe ich, das gehört für mich einfach zum Leben dazu!

Wildfräulein - Lodenkleidung für Berg und Tal

Wildfräulein

Wildfräulein – Lodenkleidung für Berg und Tal

zum Wildfräulein