Am Sonntag, den 08.Mai (Muttertag) habe ich für den DAV-Allgäu-Immenstadt meine feine Gruppe von sechs wanderfreudigen DAV-lern auf den Schönleitenschrofen geführt. Der in den westlichen Ammergauern gelegene Gipfel ist ideal für einen Einstieg nach dem Winter, da er eine Höhe von 1703m aufweist und die Wanderwege sowie der Gipfel schon zum großen Teil schneefrei sind. Aber auch sonst ist der eher unbekannte Gipfel ein landschaftlich sehr reizvolles Tourenziel, auf dessen Weg man noch einen weiteren Gipfel leicht mitnehmen kann: den Latschenschrofen.

Ausgangspunkt ist der Parkplatz der Drehhütte auf 870m. Hinter Schwangau Richtung Buching biegt man von der B17 rechts ab, der Parkplatz ist ausgeschildert. Wir mussten uns etwas gedulden bei der Einfahrt in das kleine Sträßle, denn ein Marathon verursachte eine Komplettsperrung der B17 hinter Schwangau, sodass wir erst eine halbe Stunde später starteten, als wir vorhatten.

Nun gibt es mehrere Optionen. Ich persönlich gehe die Runde gerne gegen den Uhrzeigersinn, das hat den Vorteil, daß man einen längeren Gipfelanstieg hat, aber dafür schon auf dem Weg den Latschenschrofen besteigen kann und damit eine Vorausschau auf den Schönleitenschrofen bekommt. Und auf dem Rückweg kann man dann entspannt auf der Drehhütte einkehren.

So schnauften wir erst mal bergauf Richtung Rohrkopfhütte und weiter zum Wegweiser am Grüble auf ca 1560m. Bis dahin sind es knapp 700 hm. Das Grüble ist ein kleines Kar uter der Nordseite des Branderschrofen. Rechts würde es jetzt zum Tegelberghaus gehen, zum Schönleitenschrofen muss man links weiter bergauf gehen. Ab hier sind es kleine Pfade, gut markiert und angenehm zu begehen. Der nächste Wegpunkt ist der Wegweiser vor dem Abstieg in den östlichen Kessel unter dem Branderschrofen. Hier geht auch ein mittlerweile gut ausgebauter Pfad mit Markierungen zum direkt am Weg liegenden Latschenschrofen. Der Gipfel mit Kreuz und wenig Raum hat schon eine tolle Aussicht auf den Schönleitenschrofen und die wuchtige Felsflanke des Branderschrofen direkt vor uns. Im Hintergrund präsentiert sich der Geiselstein vor der Hochplatte. Zu sechst haben wir gerade so Platz und bekommen nun mächtig Lust auf den Weiterweg. Die Sonne schenkt uns frohe Laune dazu und wir lassen uns fotografieren, das gehört einfach dazu! Nun geht es erst einmal bergab. Da in unserem Fall der Weg stellenweise noch unter Schnee vergraben war und das Wasser in kleinen Bächen das Gelände überflutete, geriet diese Passage zum Wasserdichtigkeitstest 😉 Ich hatte natürlich den besten Part, da ich als Vorausgehende immer wieder prüfen musste, ob man nun einbrach oder nicht! In ein oder zwei Wochen kann man hier wieder gut gehen, keine Frage!

Weiter gings auf einem großen Schneefeld im Kar. Die Richtung ist klar, rechts am steilen Felszahn des Spitzigschröfles oder auch Franziskaner genannt vorbei.Der eigentliche Wanderweg führt in einem Bogen durch das Kar, dieser war aber noch komplett unter Schneemassen verborgen. Im Grüble und in diesem Kessel sieht man übrigens auch immer eindrucksvoll die abgegangenen Lawinen!Einmal habe ich hier selbst nach einem Neuschneeeinbruch eine große Lockerschneelawine abgehen sehen (in sicherer Entfernung 😉 ) Den Franziskaner haben wir links liegen gelassen, eine Besteigung ist möglich, allerdings nur, wer den 2. Schwierigkeitsgrad frei und sicher beherrscht. Es gibt noch andere, schwerere Kletterrouten auf den Zahn. Wir gelangten auf den Wanderweg, der nun wieder an vielen Stellen schon schneefrei war und malerisch durch den Bergwald führt. An grauen Kalk-Felswänden des Rossgern vorbei geht es nun in leichtem Auf und Ab bis zur Abzweigung zum Vorderen Mühlberger Älpele. Nun ist es nicht mehr weit zum Gipfel des Schönleitenschrofen. Bis hierher rechnet man vom Parkplatz am besten 3 Stunden. In einer halben Stunde ist man auf dem Gipfel. Über den Südwestrücken geht es leicht über etwas schrofiges Gelände auf den kurzen Grat, der am Ende das ersehnte Gipfelkreuz bereit hält. Die Aussicht ist traumhaft , da der Gipfel eine Alleinherrschaft ausübt und freie Sicht nach allen Seiten herrscht. Nach Nordwest sieht man das Voralpenland mit seinen vielen Seen, den Forggensee ganz besonders gut mit seinem zur Zeit noch sehr niedrigen Wasserstand.

Nach Osten sieht man zur Klammspitzgruppe und nach Südost liegt nun die schöne und begehrenswerte Hochplattengruppe vor uns : Königin Hochplatte, Patriarch Geiselstein und ihre Trabanten Krähe, Gabelschrofen und Gumpenkarspitze. Da könnte man noch viele Wandertipps geben! Nach Westen zu schaut man zum Straussberg, noch weiter in die Tiroler Berge am Plansee und in die Tannheimer Berge.

Die Gipfelbrotzeit war mehr als verdient und im aperen Gras liess es sich gut aushalten, bis einige dunkler werdende Wolken und etwas Wind den Rausschmeisser gaben und wir den Rückweg antraten. An der Wegkreuzung hielten wir uns nun rechts Richtung Mühlberger Älpele und konnten herrlich auf den nordseitigen Schneeresten zur Hütte rutschen. Hier geht’s dann scharf links und in kurzer Zeit zur Drehhütte. Hier kann man wunderbarerweise Südtiroler Spezialitäten geniessen. Der Apfelstrudel und die bestellten Nocken-Tris waren wirklich ein Traum!

Alle teilnehmenden Mütter fanden, sie hätten das Beste aus ihrem verdienten Tag gemacht und alle Nicht-Mütter hatten wohl die gleiche Meinung! Auf Forststrasse und mehreren Abkürzungen durch Wiesen ging es in 40 Minuten zum Parkplatz.

Die Schönleitenschrofenrunde ist wirklich empfehlenswert und kann auch bei nicht ganz so gutem Wetter gut gemacht werden. Im Wald ist es dann ein bisschen verwunschen und die Ammergauer zeigen dann ihre wildromantische raue Seite.

Viel Spaß beim Entdecken und bis bald in den Bergen!

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