Nachts regnet es. In Memmingen, Weitnau und Sonthofen. Wir haben Karsamstag, der Wecker klingelt um 5.45. Mein Hund blinzelt durch die Lider: das meint die jetzt doch nicht ernst? Der Regen ist abgezogen, es lockert auf. Ein schnelles Frühstück, die Thermoskanne und die Brotzeit in den Rucksack, mit Hund zum kurzen Morgenspaziergang. Hund muss beim Herrchen bleiben. Die geplante Tour ist zu fordernd für meine 12 Jahre alte Labradordame. Um 7 ins Auto gesetzt, um 7:30 Treffpunkt in Betzigau. Es regnet…E+A grinsen mich an: Na, ob das noch was wird? Das Iphone meldet Sonne erst ab 14 Uhr. Ich bin gegen die Bevormundung durch ein Smartphone und sehe schon hellere Stellen am Himmel. Außerdem: bis wir in Rauth bei Berwang sind und die Ski anhaben, ist es schon mal leicht 9:00 und dann kann man ja erst mal zur Hütte und auf Sicht und Sonne warten. Blockabfertigung am Grenztunnel verzögert unser Fortkommen. In Rauth um 9:20. Prima, es gibt noch Parkplätze. Und noch viel besser: es gibt Sonnenschein 😀

Juhu! Die Ski bzw ein Paar Schneeschuhe rutschen die Forststrasse rauf. Es hat zum Glück 10cm Neuschnee gegeben, am Gipfel sind es bis 50cm. So brauchen wir die Ski nicht tragen. An den Rotbachhütten ziehen wir überflüssige Kleidung aus und freuen uns an der weissen Pracht und dem blauen Himmel. Ab hier geht es in abwechslungsreichen Verwindungen über Wiese und durch Wald, bis wir auf 1694 hm an der Ehenbichler Alm auskommen. Hüttenwirt Thomas rückt die Außentische für die Gäste. Wir melden uns schon mal für später an und erfahren, dass es 2 Stunden vorher noch alles dort oben in Nebel gehüllt war, und Thomas seine morgendliche Gipfeltour abbrechen musste mangels Sicht.. Haben wir ein Glück! Es ziehen zwar gerade ein paar Schwaden durch, doch nach ein paar weiteren Höhenmetern kommen wir in freies Gelände und die Mächtigkeit des königsblauen Himmels setzt sich durch. Was für ein Feeling! Die strahlend weißen, noch mit nur wenigen Spuren versehenen Hänge haben eine unglaubliche Anziehungskraft. Wir geniessen jeden Schritt und immer mehr Berge rücken über die Hangkanten n unser Blickfeld.

Die Abendspitze rechts von uns wird auch schon frequentiert. Wir zeihen nach links auf den schönen ausladenden Rücken, an dessen Ende man schon ganz klein das Gipfelkreuz erkennen kann. Die Aufstiegsspur ist normalerweise auch die Abfahrts- bzw. Abstiegsroute. Weil es nie steil wird und auch für Schneeschuhgänger angenehm und relativ sicher zu laufen ist, gilt dieser Gipfel zu Recht als einer der beliebtesten Wintergipfel, zumal die Aussicht Premiumcharakter hat.

E.und ich schauen in die Nordhänge. Noch ist keine Spur drin. Ob es wohl gut zum Fahren geht und auch sicher ist? Erst gehen wir zum großen Gipfelkreuz mit dem schönen Metallstern. Nach ausgiebiger Freude und Rundumschau mit obligatorischen Gipfelfotos trinken wir Tee und essen unsere Brote, geniessen die milde Frühjahrssonne und grandiose Aussicht. Nach einer Stunde haben wir Lust auf Kaffee und machen uns abfahrbereit. A. geht mit Schneeschuhen voraus, um etwas Vorsprung zu gewinnen. E. und ich schauen wieder in den Nordhang. Maximal 33 Grad steil. Keine Lawinen in direkter Umgebung, auch sonst nur in den typischen Lawinenstrichen. Alle Anzeichen positiv. Müsste gehen, meint E. Und ist schon runter mit gleichmässigen Schwüngen. Was denke ich? Dass eigentlich nix dagegen spricht, aber was wäre, wenn doch ?! Ob der Hang wirklich hält? Ich hoffe es und schon fahre ich los. Nach der Hälfte der Strecke merke ich, dass sich alles gut anfühlt. Das Herz pocht noch. Der Kopf hat mal wieder ganz schön dominiert. Aber es hat auch Spass gemacht und jetzt bin ich frei, geniesse voll die nächste Abwährtsfahrt, und so schaukeln wir uns quer durch den Hang, bis wir an dem Aufstiegsrücken wieder auskommen. Man(teuffel), war das wieder gut! 😀 Nun geht es durch ordentlich aufgefirnten Schnee noch möglichst unverspurt zur Ehenbichler Alm runter. Nur eine kleine gemeine Stelle am Bach zwang kurz zum Stillstand, aber der Ehrgeiz spielte wieder Alphatier und die Stelle konnte mit Ski überwunden werden.

A. hatte uns schon einen Tisch freigehalten. Durch unseren Ausflug in die Nordhänge haben wir länger gebraucht, sodass man feststellen kann, dass Schneeschuhgeher nicht immer die langsameren sind…Wir gaben die Bestellung auf, ich freute mich auf Kaffee und das gleich zweimal. Das Essen von E. sah auch toll aus und schmeckte wohl auch so. Thomas und Marion waren sehr aufmerksam und gutgelaunt, wie das ganze Hüttenteam. Die Sonne ließ unsere Gesichter strahlen und alles war Glück pur! Irgendwann ging es dann mal runter, in den Wald mit anregender Buckelpistenfahrerei, was ich auch sehr gern mag und warteten in Abständen auf A., die im Sauseschritt aufschloss. An der Fahrstrasse liessen wir A. dann endgültig hinter uns und bretterten durch bis fast zum Auto. Ohne den Neuschnee in der Karsamstagnacht wäre das nicht gegangen. Dann wäre überhaupt die ganze Tour ganz anders gewesen. Das sind eben immer die nicht planbaren Elemente, die Bergtouren so interessant machen. Bei Regen losgehen und sich nicht von Smartphones beirren lassen, sondern die Natur so nehmen, wie sie ist, und damit umgehen, das macht den Reiz einer gelungenen Tour aus. Im schlimmsten Fall wären wir bis zur Hütte und nicht weiter gegangen, oder hätten wenig gesehen. Ein Erlebnis wäre es immer gewesen, und woanders wäre es wahrscheinlich auch nicht besser geworden. Die Auswahl des Gipfels war nicht so wetterabhängig wie bei einer schwierigeren Tour, und uns ist es gelungen, bei idealen Verhältnissen das Maximale herauszuholen. E.,A.,und S. hatten einen unvergesslichen Tag. Glück, das man nicht kaufen kann!

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Hallo, ich bin Sabine Manteuffel. Meine Lieblingsbeschäftigung sind Berge! Gehe gern bergsteigen, wandern, klettern und Skitouren. Touren führe ich für den DAV Allgäu-Immenstadt und als Bergwanderführerin für eine Bergschule im Allgäu. Hauptberuflich bin ich selbständig mit meinem Label „Wildfräulein“, Entwurf und Handanfertigung von fescher, junger Outdoorbekleidung aus Loden: www.wildfraeulein.de. Lesen, Schreiben und Fotografieren liebe ich, das gehört für mich einfach zum Leben dazu!

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