Palmsonntag mit Traumwetter. Mein Tourenpartner und ich freuten uns auf eine richtig tolle Skitour auf den Schochen (2100hm) im hintersten Ostrachtal bei Hinterstein! Am Tag zuvor waren wir mit unseren Tourenski im Kleinwalsertal unterwegs und haben das sogenannte Ochsenloch am Mindelheimer Klettersteig befahren. Da hatten wir eigentlich den Liechelkopf als Ziel gehabt, doch als wir auf halber Strecke feststellten, daß sich drei riesige Gruppen zum Gipfelhang hinaufarbeiteten, trafen wir die weise Entscheidung, abzudrehen und zum Schafalpenkopf zu steigen, und zwar durch das sogenannte Ochsenloch bis auf den höchsten Punkt von 2179m. Wir waren dort alleine und genossen ausser der atemberaubenden Aussicht auch eine richtig gute Pulverabfahrt. Erst ab der Wildenfeldalpe wurde ganz schwerer Sulz daraus. Am Sonntag sollte es noch besser werden…

Den Palmesel liessen wir am Sonntag daheim und starteten im Allgäuer Bergdorf Hinterstein mit dem Bus zum Giebelhaus, einem Ausgangspunkt in das hintergelegene Ostrachtal mit zahlreichen Tourenmöglichkeiten. Die Strasse darf nicht mit Privatkfz befahren werden. Alternativ kann man für die 10 km bergauf das Radl nehmen oder eben den Bus, was kein Nachteil ist, denn der Fahrer ist stets sehr unterhaltsam und steuert mit Herzblut, guter Laune und Sympathie für seine Gäste sein Gefährt. Am Giebelhaus verteilte sich der Inhalt des Busses recht schnell. Unser Ziel war der Schochen mit 2100m Seehöhe im hintersten Obertal. In unsere Richtung gingen nur ca 10 Personen, von denen dann noch mehrere an einer Weggabelung den Weg zur Schwarzenberghütte nahmen. Das ist für Familien mit Rodelbewaffnung eine toller Ausflug!

Wir hingegen steuerten in das Obertal hinein. Nun ging es erst einmal flach dahin bis unter die Alpe Plättele. Zwischendurch hielten wir einmal an, damit ich meine Blase am Fuss vom Vortag noch besser abkleben konnte. Leider brannte es etwas, doch ich konnte mich jetzt ja nicht aufhalten lassen! Ab der Alpe ging es endlich aufwärts. Ich laufe nicht so gerne flach, es macht müde und etwas träge. Aber jetzt kamen wir in Schwung. Der Blick auf unser Ziel wurde immer schöner und informativer. Man konnte schon die zahlreichen Abfahrtsspuren der Vortage erkennen und einige Frühaufsteher beobachten, wie sie hinabschwangen. Daraus schlossen wir auf mögliche gute Abfahrtswege. Man muss immer taktieren, wo der Schnee womöglich noch pulvrig ist, oder aufgefirnt oder einfach schlecht zum Fahren. Daher ist es immer gut, schon beim Aufstieg das Gelände und wie hier, den Gegenhang zu betrachten und genau anzuschauen, wo man hinterher am besten mit tollen Kurzschwüngen gut runterkommt…Die Lawinengefahr hat man natürlich auch stets im Blick, aber heut und hier sah alles bestens aus und wir stiegen weiter auf. Zwei deutliche Spuren waren bereits gelegt, eine forsche in Fallinie und eine klassische im idealen Winkel. Wir nahmen lieber die Gemütliche. Doch die war so angenehm zu laufen, daß ich die Schrittfrequenz ganz automatisch erhöhte (mein Tourenpartner möge mir verzeihen) und Spaß am gleichmäßigen Rhythmus bekam. Die Müdigkeit vom Morgen war vergessen. Noch drei Leute vor uns eingeholt und schneller als gedacht standen wir am Fuss des Gipfelhanges. Nun hatte sich wohl doch der Forsche durchgesetzt. Die Ideal-Spur ging über in die steile. Puh, jetzt hieß es arbeiten. Meine Beine kamen mir in den Spitzkehren noch kürzer als sonst vor und die Felle rutschen schon rückwärts. Aber ich hatte jetzt keine Lust mehr, auf den letzten Metern noch eine neue Spur zu legen. Lieber durchbeissen. Ein paar Flüche helfen ganz gut über solche Momente hinweg. Die Gruppe hinter uns hatte größere Probleme, woraufhin eine Person die Ski auszog und zu Fuss hochstapfte…Am Gipfelgrat dann die Belohnung: Hammeraussicht auf die großartige Höfats vor uns! Und natürlich überhaupt ein Wahnsinnspanorama! Na, dann mit Freudenjuchzern nochmal aufs Gas und auf den Gipfel! So was Feines! Nach ausgiebigem Fotoshooting und Panoramaschau liessen wir uns unterhalb des Gipfelkreuzes nieder zur Brotzeit. Durch mein vielgeliebtes Fernglas konnte ich die wagemutigsten Skispuren im Gelände finden. Für mich persönlich nicht infragekommend, aber abenteuerlich anzuschauen. Da bräuchte ich mal mehr Zeit, aber man muss ja vom Gipfel irgendwann auch mal wieder runter!

Mein Tourenpartner schlug vor, direkt unterhalb vom Kreuz abzufahren. Ja, da war es steil, aber geil 😉 Wir querten dann in die Nordwesthänge des Lachenkopfs, wo es noch weitestgehend unverspurt war, ein traumhafter Swing mit Ski! Wir fanden bis zum Bachbett runter immer wieder Powder und nach Überquerung desselben ging es in rasanter Fahrt durch Firn und Sulz nach unten. Vor der Engeratsgundalpe mussten wir dann rausskaten, die Energie hatten wir noch, nur länger hätts nimmer sein dürfen, sonst hätte ich die Ski ausgezogen. Das letzte Stück Fahrstrasse war gut zum Fahren und Erholen. Gleichzeitig mit dem Bus nach Hinterstein kamen wir am Giebelhaus an! Perfekt! Wir genossen noch ein herrliches Geschichtenpaket vom lieben Fahrer und erreichten den Ausgangspunkt, wo wir noch mit Cappucino und Weizen die Tour finishten. Falls das die letzte Skitour in diesem Winter war, macht es nichts, denn ich bin hochzufrieden. Danke lieber Gott, daß diese zwei Tage alles gepasst hat und ich mich so am (Berg-)Leben freuen darf!

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Hallo, ich bin Sabine Manteuffel. Meine Lieblingsbeschäftigung sind Berge! Gehe gern bergsteigen, wandern, klettern und Skitouren. Touren führe ich für den DAV Allgäu-Immenstadt und als Bergwanderführerin für eine Bergschule im Allgäu. Hauptberuflich bin ich selbständig mit meinem Label „Wildfräulein“, Entwurf und Handanfertigung von fescher, junger Outdoorbekleidung aus Loden: www.wildfraeulein.de. Lesen, Schreiben und Fotografieren liebe ich, das gehört für mich einfach zum Leben dazu!

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