Am 1. Januar 2016 die erste Aktion: raus aus Memmingen 😉 Rein in die Berge, genauer gesagt, ins Tannheimer Tal. Die erste Idee zu einer schönen gemütlichen Tour hatte ich am Morgen gleich nach dem Aufwachen: mit Leila auf das Brentenjoch von Grän. Nachdem ich Weihnachten auf dem Aggenstein, dem Nachbarberg vom Brentenjoch war, kam mir der Gedanke, daß Leila mit ihren 12 Jahren zwar nicht mehr unbedingt die kleinen Kletterstellen am Aggensteingipfel mag, aber der Weg zum Brentenjoch war sicher schaffbar, auch was die Länge der Tour anbelangte, denn eine Überschreitung plante ich nicht. Und was gibt es Besseres, als im Winter bei trockenen Bedingungen auf einer Südseite den Berg zu erklimmen, und so die Sonne für sich zu nutzen! Bei Skitouren ist mir zwar auch die Nordseite mit Pulver recht, aber momentan war ja eher noch Sommerwandern angesagt, und da eignet sich die Südseite besser.

Mein Telefon klingelte und ich hatte ein paar Minuten später auch noch einen spontanen Tourenpartner. Also auf nach Grän! Im Tannheimer Tal setzte sich nach einen trübnebligen Morgen die Sonne durch. Am Einsteingipfel schien etwas Schnee zu liegen. Das ist auch immer eine dankbare Tour, doch im Winter sind die oberen Felsen rutschig und ausgesetzt. Für einen 12jährigen Hund sicher nicht das Richtige. Die Krinnenspitze zeigte auch schon ihr Haupt, da geht ein nicht überlaufener Südanstieg rauf. Ausgerechnet Richtung Aggenstein und Brentenjoch dicker Nebel, von den 2 Bergen nichts zu sehen. Hmh, am Plan wurde trotzdem festgehalten. Am Parkplatz in Grän/Enge auf 1210m stellten wir das Auto ab und nahmen den Anstieg Richtung Bad Kissinger Hütte. Ca 100 hm höher gibt es eine Abzweigung. Zur Kissinger Hütte bzw. Aggenstein geht es geradeaus, zum Brentenjoch muss man jetzt rechts in die Fahrstrasse einbiegen, um schon in der nächsten Kehre auf den Bergsteig zur Sebenalm einzubiegen. Jetzt kam auch Leila zunehmend in Fahrt. Bislang hatte sie ziemlich viel geschnuppert, nun wollte sie auch mal vorauslaufen, gutes Zeichen. Der Steig verläuft im Wald in einer äußerst angenehmen Steigung. Es tropfte von den Bäumen, Schnee lag auf dem Boden. Hatte doch ein bissl geschneit an Silvester! Nach einer Stunde waren wir raus aus dem Wald,und kamen auf den Panoramaweg von der Bad Kissinger Hütte zum Füssener Jöchle. Hier ging es für uns rechts und nach wenigen Minuten erreichten wir die Seebenalm auf knapp 1700m Höhe. Die Landschaft war flächendeckend schneebedeckt, und wir mitten im Nebel. Uhrzeit 13:45. Tja, ich war schon bei meinem letzten Besuch im vergangenen Frühjahr im Nebel auf dem Brentenjoch. Allerdings hatte ich dort zur Belohnung eine Gemse gesichtet. Ein kleiner Hoffnungsschimmer in Form von ganz schwachem Blau am Himmel in Richtung Gipfel und mein Gefühl, daß die Nebeldecke schon etwas heller nach oben wurde, führte zur Fortsetzung unseres Weges.

Nach 5 Minuten bergan steht man am Vilser Jöchl auf 1718m. Der Ausblick ins Vilser Tal war versperrt durch eine dicke Nebelbank, doch die Gipfel von Großer Schlicke und Sebenspitze spitzten schon raus aus den Wolken und die wurden immer lichter! Der Gipfel des Brentenjoch war bei Ankunft auf dem Joch noch versteckt, doch nach 2-3 Minuten löste sich von Zauberhand der dunstige Schleier und der Berggipfel erstrahlte in ganzer Pracht vor königsblauem Himmel! Juhu!

Alles richtig gemacht! Wir kamen kaum bergan, denn die Eindrücke fesselten uns und immer wieder wurde die Kamera gezückt. Ein einzigartiges Schauspiel! Die umliegenden Gipfel wurden immer freier und zeigten ihre Verwandlung, die sie über Nacht erfahren hatten. Die Felsklüfte waren schneebedeckt und scharfkantig gegen den klaren Himmel, sie sahen so mächtig aus, trotz der im Vergleich zu den Lechtaler Alpen eher kleinen Gipfelhöhen, die kaum über 2200m hinauskommen. Unser südlicher Schlussanstieg wurde von uns in diesem neuen Jahr erstbegangen, mein Hund voraus. Und da war sie wieder, meine Gams! Ein einzelner Bock zeigte sich auf einer Geländekante und pfiff uns seinen Unmut entgegen. Kann man schon verstehen, nicht mal Ruhe am Neujahrstag für die Tiere! Das Gras war nur leicht schneebedeckt auf der Sonnenseite, es war aber sehr kalt durch einen Wind.Gipfelhöhe 2000m. Juchzer über dem Tannheimer Tal! Ein grandioses Bild von endlos wirkenden Nebelmeeren unter uns und zahllosen Gipfelketten in der Ferne. Wie Inseln lagen Aggenstein, Vilser Kegel, Alpspitze Nesselwang, Köllenspitze und Kollegen, die Zugspitze und Einstein mittendrin. Die Lechtaler Alpen setzten das Panorama nach Süden fort und ganz im Westen war hinter dem markanten Grünten der Säntis zu erkennen. Das Licht war golden, aber wie Glas, so klar. Die Farben zum Niederknien! Schnell rein in was Warmes zum Anziehen, Leila erhielt einen Apfel zur Belohnung, wir gaben uns mit einem Tee und Brot bzw. Banane im Stehen zufrieden. Da ich Bedenken hatte, mein Hund würde sich eventuell verkühlen, stiegen wir auch nach einer Viertelstunde wieder ab. So, Leila wälzte sich gleich mal im Schnee. Aha, kalt war ihr wohl nicht. Umso besser 😉 Und da war er wieder, der Gamsbock. Da hatte er uns schon wieder unter seinem Kontrollblick. Diesmal ein anderer Platz. Das Tier stampft zur Untermalung seiner gellenden Pfiffe mit dem linken Huf auf. Uijeh! Das hatte sicher was mit Leila zu tun, die sich zum Anschaun des Schauspiels hinsetzte und ihm zusah. Zum Glück sind Gemsen und Rehe für sie völlig abstrakt. Als Labrador hat man auch andere Aufgaben. Zum Beispiel vorauslaufen und den Weg suchen im Dunkeln. Nach Zwischenpause an der Seebenalm gings runter in Nebel und Dämmerung. Ich mag es, solange wie möglich ohne Lampe zu laufen und ganz auf die Füße zu vertrauen, die den Weg schon finden. Es war wirklich unglaublich, der Himmel war inzwischen wolkenfrei, die Inversionslage hat die kalte Luft als nasse Nebeldecke ins Tal absinken lassen. Wieder eine tolle Tour, als Jahresauftakt sehr würdig und ein gutes Zeichen!

Euch auch allen ein Jahr mit vielen reichen Erlebnissen und Gesundheit und Freude!

Bis bald in den Bergen, eure Sabine

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Hallo, ich bin Sabine Manteuffel. Meine Lieblingsbeschäftigung sind Berge! Gehe gern bergsteigen, wandern, klettern und Skitouren. Touren führe ich für den DAV Allgäu-Immenstadt und als Bergwanderführerin für eine Bergschule im Allgäu. Hauptberuflich bin ich selbständig mit meinem Label „Wildfräulein“, Entwurf und Handanfertigung von fescher, junger Outdoorbekleidung aus Loden: www.wildfraeulein.de. Lesen, Schreiben und Fotografieren liebe ich, das gehört für mich einfach zum Leben dazu!

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