Gottesacker! Eine alte Friedhofsbezeichnung und eine Bergtour im Kleinwalsertal, wie passt das jetzt zusammen?

Der Gottesacker ist ein 25qkm großes Karstplateau über einem ausgedehnten unterirdischen Höhlensystem an der Grenze des Allgäus zum Kleinwalsertal, Vorarlberg. Seine außergewöhnliche Struktur besteht aus Schrattenkalk, durch Wasser ausgehöhlte Karren im Fels.

 

Südlich davon erhebt sich unser heutiges Ziel:der Hohe Ifen, 2229 m hoch. Eine gewaltige, vor Urzeiten abgebrochene, schräggestellte Platte bildet den Gipfel. Die seitlichen Mauern flößen Ehrfurcht ein, kein Wunder, daß man in alten gottesfürchtigen Zeiten der schnell unwirtlichen Gegend diesen Namen gab…

Aber wir profitieren vom Novembersommer 2015! Seit Wochen herrscht ein ausgewachsenes Hoch über den Alpen. Wir haben um die 20 Grad am Nachmittag!

Mit mir kommen 4 Freunde, alle vom Alpenverein Allgäu-Immenstadt, wir haben uns spontan zu dieser gemeinsamen Tour verabredet.

Der Lift an der Auenhütte steht still. Wir wandern gemütlich die Forststrasse hoch, genießen die Sonne. T-shirt-Wetter um 10 Uhr morgens am 8.November. Wir sind nicht die einzigen, doch die paar Leute verteilen sich im Gelände. Ohne Lift ist hier nicht viel los.

Wir erreichen die Ifenhütte am Liftende und steuern auf die mächtige Ifenmauer zu. Da passt ein Foto! Es geht durch Geröllfelder. An der Nordseite sind die Drahtseile schon abmontiert, die sonst durch die Felswand leiten.

Sie würden dem Druck des Schnees nicht standhalten und so kommt hier nur rauf, wer genügend Erfahrung hat und wenn die Bedingungen passen. An der Nordseite trocknet es jetzt nicht mehr, der Fels ist schmierig, aber es liegt kein Schnee. Wir steigen auf dem Gipfelplateau aus. Was für ein Anblick! Eine 1,5 km lange Gipfelfläche, ansteigend und mit Gras bezogen, jetzt in herbstlich-brauner Farbe. Sonne pur! Ein frischer Wind geht. Mütze auf und Weste an.

Am Gipfel Weltklasseaussicht. Von oben schaut man erstens ganz wunderbar auf den ziemlich beeindruckenden Gottesacker, als zweites kann man sich nicht sattsehen am Blick in den Süden, bis zur Wildspitze in den Ötztaler Alpen und in die Schweiz zum Säntis. Die Herbstfarben verzaubern und der blaue Himmel strahlt mit weißen Federwolken. Ein echter Sonn-Tag!

Nach einer gebührenden Brotzeit in der trockenen Gipfelwiese geht’s wieder weiter, erst ein Stück die Grashangtischplatte runter, dann der Abzweig zum alpinen Eugen-Köhler-Weg. Auch hier steile, anhaltende Felsplatten, an denen die Drahtseile hübsch aufgerollt zur Winterpause gerichtet sind. Es gibt noch eine Alpe auf dem Weg, die Ifersgunt, die nur im Sommer bestoßen wird und mit der kleine Kapelle ganz besonders ist. Wir genießen hier nochmal die Sonne, bevor es dann talabwärts zurück zur Auenhütte geht.

Ein Gottesgeschenk, dieser Tag mit lieben Freunden und Traumwetter, in der Stille der Nebensaison.


Hallo, ich bin Sabine Manteuffel. Meine Lieblingsbeschäftigung sind Berge! Gehe gern bergsteigen, wandern, klettern und Skitouren. Touren führe ich für den DAV Allgäu-Immenstadt und als Bergwanderführerin für eine Bergschule im Allgäu. Hauptberuflich bin ich selbständig mit meinem Label „Wildfräulein“, Entwurf und Handanfertigung von fescher, junger Outdoorbekleidung aus Loden: www.wildfraeulein.de. Lesen, Schreiben und Fotografieren liebe ich, das gehört für mich einfach zum Leben dazu!

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