Wenn die nächste Alpenvereinstour ansteht, bin ich schon eine Woche vorher mit dem Wetterbericht per Du!

Schließlich möchte nicht nur ich, auch alle, die vorhaben, mitzugehen, wollen gutes Wetter! Klar kann man auch bei nicht so gutem Wetter gehen, macht man ja sonst auch! Und predigt auch stets, dass es ja kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung gibt. Irgendwie ist die DAV-Tour mit Freunden und Gleichgesinnten dennoch ein Highlight, auf welches wir uns sehr freuen, und da hofft man natürlich besonders auf gutes Wetter, sprich Sonnenschein! Diesmal waren wir zu siebt, zwei männliche und fünf weibliche Bergfexe. Mit allen bin ich privat befreundet, wir waren schon öfter mal in so einer Kleingruppe unterwegs. Ich liebe es, schöne Touren zu organisieren und mit netten Menschen unterwegs zu sein!

Mein Angebot für den DAV Allgäu-Immenstadt war diesmal war eine Rundtour in den Allgäuer Bergen, aber nicht vom Allgäu aufsteigend, sondern vom Lechtal aus. Die Jöchelspitze mit 2226m ist ein Berg am südlichen Rand der Allgäuer Alpen. Vom Lechtaler Ort Bach könnte man ganz gemütlich mit dem Sessellift hinauffahren, und den Gipfel in etwas mehr als einer Stunde erreichen. Das ist aber nix für uns Allgäuer Bergliebhaber. Wir wollen das Ganze! Mein Plan war also, vom Tal zu starten und dann über den Gipfel per Überschreitung zum Panoramaweg Richtung Bernhardseck zu laufen, dort einzukehren und dann auf einem anderen Weg zum Ausgangspunkt zurück. Soweit die Theorie.

Sonntag, 28.05.17 war die Tour angesetzt. Der Wetterbericht war mein bester Freund! Ein tolles Hoch mit nullkommanull Wolken war angesagt und ziemlich sicher.Freitags rief ich dann mal bei der Bahn an. Die Jöchelspitzbahn hatte erst zwei Tage auf.Schließlich bekam ich eine Information. Der Gipfel der Jöchelspitze sei begehbar, aber auf dem Panoramaweg sei ein „sehr großes Schneefeld“ in der Mulde, und fast alle Wanderer wären umgekehrt. Aha. Soso. Ein kleineres Schneefeld wäre mir angenehmer gewesen. Bei der angesagten großen Hitze kann ein Schneefeld auch schon mal abrutschen, oder ein Ausgleiten des Wanderers kann tragische Folgen haben. Mit einer Gruppe ist man ja erst recht defensiv unterwegs.

Drohte mein Plan zu kippen? Wie war die Lage wirklich vor Ort? Am Sonntag , wenn ich auf dem Gipfel stünde, würde ich es wissen. Ich studierte wieder die Karte, was ich denn alternativ anbieten könnte, sollte der Übergang von der Jöchelspitze zum Bernhardseck nicht machbar sein. Eine gänzlich andere Tour schloss ich aus. Da gefiel mir nichts, irgendwo wäre sicher auch ein Schneefeld die entscheidende Schlüsselstelle. Wegalternativen? Von Holzgau führt auch ein Weg auf die Jöchelspitze. Der scheint interessant. Ein schöner kleiner Weg, falls man denselben wieder abwärts sollte, könnte man noch ins Höhenbachtal und im Café Uta einkehren.Und wenn man doch weiterkäme zum Bernhardseck, dann wäre der Rückweg nach Holzgau zu weit. Aber es fahren ja Busse im Lechtal.

Am Sonntag dann prachtvolles Wetter.

Um 8:15 war Treffpunkt in Weissenbach am Beginn des Lechtals. Ich erklärte die etwas offene Situation und da jeder von der Gruppe viel in den Bergen unterwegs ist, war auch jedem klar, daß man das einfach gelassen auf sich zukommen lässt. Wir parkten in Holzgau und ich begrüßte noch schnell den Wirt des Gasthof „Bären“ in Holzgau, wo ich immer sehr willkommen bin mit meinen E5-Gruppen der Bergschule Oberallgäu. Dort kann man übrigens sehr gut essen und übernachten! Dann machten wir uns auf den Weg, immer schön einen kleinen Pfad im Gras bergauf, bis zu einem kleinen Pavillon, dem Aussichtspunkt Schiggen. Ein richtig guter Fotostopp! Schon jetzt waren wir steil über dem Tal, unten der rotspitzige Kirchturm von Holzgau.

Die Jöchelspitze ist ein typischer Allgäuer Grasberg mit vielen Blumen, es gibt steilere, aber 1200hm mussten wir schon wadenschindend rauf ohne Bäume und Schatten Richtung Windegg. Bald kühlte aber ein Lüftchen und wir ratschten, was das Zeug hielt. Nur eine war recht still.

Es stellte sich heraus, dass Schwindel und unbekannte Gleichgewichtsstörungen die Ursache waren. Alleine wollten wir sie nicht bergab lassen. Und so gingen wir einfach langsamer, pausierten an der Wegkreuzung zur Jöchelspitzbahn und erreichten nach 3,5 h den Gipfel. Kurz vorher gab es ein kleines Schneefeld, auf dem sich die dort aufhaltenden Schafe drängten, um der Hitze zu trotzen!

Die Aussicht von der Jöchelspitze ist wirklich traumhaft schön! Mein erster Blick galt jedoch dem Weiterweg und mein Herz jubilierte! Auf den ersten Blick war klar, daß der oberere Panoramaweg zwar mit einigen Schneefeldern versehen war, aber sehr gut machbar erschien. Zufrieden wandte ich mich der Gruppe zu und während wir immerzu ratschend die Brotzeit genossen, studierten wir die Aussicht in die Lechtaler Alpen (Parseierspitze), ins Verwall (Patteriol), ins Lechquellengebirge (Valluga) und nach Norden in die Allgäuer (Trettachspitze und Heilbronner Weg). Gegenüber faszinierte die Rothornspitze, die noch etwas höher als die Jöchelspitze ist , nämlich 2393m und ihren Namen dem roten Hornstein entlehnt, der die südliche, uns zugewandte Flanke so dramatisch ziert. Vor zwei Jahren habe ich mal eine schöne Sonnenuntergangstour dort rauf gemacht. Dieser Gipfel ist aber schon ein richtiger Steilgrasberg!

Unsere angeschlagene Freundin trat den Weg zur Bahn hinunter an, es war ihr lieber, und eine vernünftige Entscheidung, auch wenn es schwerfiel. Wir hätten sie auch lieber dabeigehabt. Aber Sicherheit geht vor. Der Weg zum Rothornjoch hinunter war weitestgehend schneefrei.Das Joch selbst war noch schneebedeckt, aber unproblematisch. Auch der tote Winkel hnter der Kuppe barg keine unangenehme Überraschung. Das grosse Schneefeld gab es tatsächlich, aber woanders. Eine unserer Truppe kämpfte hingegen mit roten Schultern, die Versuchung der schnellen Bräune oder Vermeidung von Schwitzattacken mittels Trägertop war etwas zu groß, man musste aushelfen mit einem T-shirt. Wozu hat man Freundinnen am Berg! Zwei kleinere Schneefelder mussten wir noch meistern, dann waren wir schon an der Mutte, einem Aussichtspunkt auf dem genialen Lechtaler Panoramweg. Der ist deshalb so toll, weil er auf einem Rücken verläuft, der zwischen Lechtaler und Allgäuer Alpen liegt und so Wahnsinnsaussicht zu beiden Seiten gewährt. Wir kamen nicht so schnell voran, wie wir vorhatten, denn es gab so viel zu schauen und fotografieren.

Unsere Einkehr konnte dann,wie geplant, in der Bernhardseckhütte stattfinden. An diesem schönen, aussichtsreichen Platz halte ich mich stets gerne auf und freute mich, ihn meinen Freunden, die ihn noch nicht kannten, zu präsentieren. Wir besetzten einen guten Tisch im Schatten und bestellten eine schöne Auswahl an alkoholfreien Russ, (Weissbier mit Limo) Kaffee, und natürlich leckeren Kuchen! Der Wirt Armin hatte auch Zeit für uns für eine nette Begrüßung und  -na was wohl – einen kleinen Ratsch 😉 . Dort oben erhält jeder interessierte Wanderer tolle Tipps für Tages-aber auch Mehrtagestouren rund um die Hütte, wo man auch übernachten kann.

Rückweg nach Bach

Sehr entspannt traten wir den Rückweg an, der uns nun Richtung Bach leitete. Einige Blumen fesselten uns besonders. Zur Zeit blühten übrigens schon Enzian, und sehr viele Küchenschellen. An der Küchenschelle ist das Besondere, dass sie sich im Laufe des Sommers stark verwandelt. Die Blütenblätter fallen ab und übrig bleibt der haarige Fruchtstand, der wir ein wirrer, silbriger Schopf absteht und daher im Allgäu „Wildes Männle“ heisst! Nun waren da auch einige sehr seltene Exemplare, wie ich heute von einem Experten, nämlich Henning Werth erfuhr. Danke für die Information an dieser Stelle!

Über Grünberg und Gasthof Klapf steuerten wir das Tal an, doch leider, trotz erhöhtem Tempo, eine Minute zu spät für den Bus! Eine Stunde warten wollten wir nicht, und so hielten wir ein Wohnmobil an, das uns zwei Fahrer mitnahm bis Holzgau. Dort trafen wir wieder auf unsere Freundin und fuhren dann zurück, um alle einzusammeln und die Heimfahrt um 18:30 anzutreten.

Wir waren alle sehr glücklich, so einen schönen Tag miteinander bei solch einem Traumwetter zu verbringen. Es gibt Tage, da geniesst man gerne die Bergwelt für sich allein oder zu zweit, nimmt vieles wahr,nicht zuletzt sich selber. Dann gibt es Tage, wo man den Berg als Sportgerät für Konditionstouren ausnutzt, und ebenso gibt es diese schönen und wichtigen Gemeinschaftstouren! Mein „Stammtisch“ eben!

Aktiv Zeit miteinander zu verbringen, gibt mir ganz viel Energie und wirkt sich positiv auf meine Stimmung aus. Einfach mal lachen und quasseln, loslassen vom Alltag!

Lasst es euch ebenso gut ergehen in den Bergen! Habt einen schönen Bergsommer! Vielleicht geht ihr ja mal diese Tour.

Eure Sabine

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Hallo, ich bin Sabine Manteuffel. Meine Lieblingsbeschäftigung sind Berge! Gehe gern bergsteigen, wandern, klettern und Skitouren. Touren führe ich für den DAV Allgäu-Immenstadt und als Bergwanderführerin für eine Bergschule im Allgäu. Hauptberuflich bin ich selbständig mit meinem Label „Wildfräulein“, Entwurf und Handanfertigung von fescher, junger Outdoorbekleidung aus Loden: www.wildfraeulein.de. Lesen, Schreiben und Fotografieren liebe ich, das gehört für mich einfach zum Leben dazu!

 

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